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Vorwärtsbeuge mit Öffnung

Höflichkeit – Geste der Sensibilität

Im September beschäftigten wir uns in den Kursen mit der Höflichkeit als Haltung. Dabei haben wir unterschieden zwischen Höflichkeitsformen, die man zunächst lernt, und Höflichkeit als innerer Sinn, als Sensibilität, Wahrnehmung und Aufmerksamkeit für andere Menschen. Bei der höflichen Verhaltensweise sprechen wir von einer äußeren Form, so wie man z.B. „guten Tag“ sagt. Man empfindet das Verletzen solch einer Form als unhöflich. Aber auch, wenn eine Form ohne wirkliche Aufmerksamkeit für den anderen angewendet wird, kann das unhöflich sein. Hat jemand einen Schicksalsschlag oder schmerzliche Veränderungen im Leben erfahren, wird man das in der Begegnung berücksichtigen, sensibel sein und keine überschwänglichen Fragen stellen, auf die derjenige vielleicht gar nicht antworten möchte. Daran lässt sich erahnen, dass Höflichkeit nicht allein Form, sondern auch Sensibilität, Aufmerksamkeit und Empathie sein kann, bei der die Person des anderen berücksichtigt wird und Vorrang gegenüber den eigenen Interessen hat.

Yogaübung Kamel, Armbewegung

Mitleid wird zu Freiheit

Eine innere Haltung bringt oft mehr zum Ausdruck, als eine äußere. Oder die äußere Haltung kann bei zwei Menschen gleich sein, aber dennoch etwas ganz anderes ausdrücken. Beispielsweise wirkt eine Yogaübung, wenn es nur um die Perfektion geht, immer etwas hart. Wenn aber nur das Wohlgefühl gesucht wird, scheint sie sich beinahe aufzulösen. Das Formen einer Übung beginnt also vielmehr bei der inneren Haltung. Die Tugenden formuliert Rudolf Steiner so, dass sie zu etwas Neuem in der Seele werden. Er gibt damit einen Inhalt, den wir in seiner Bedeutung ergründen können. Und schon durch das Nachdenken über eine Tugend rückt der Sinn dafür näher. Man muss nicht meinen, eine Tugend wie das Mitleid nur pflegen zu können, wenn man schon ein freier Mensch ist. Oft sind es ja gerade die kleinen Veränderungen, die Großes bewirken. Was ist also diese innere Haltung des Mitleids, worin unterscheidet sie sich von sentimentalen Tendenzen und warum wird sie zu Freiheit? Das Mitleid ist etwas verallgemeinert ein Mitgefühl, mit dem man im Fühlen mehr beim anderen ist, als bei sich …

Vorbereitung und Vertiefung

Ausdauer

– wird zu Treue. So lautet die Tugend im Monat Juni. Sie schließt sich dem Gleichgewicht des vorigen Monats an und leitet zur Selbstlosigkeit des nächsten Monats hinüber. Das Üben der Ausdauer entwickelt sich zur seelischen Kraft der Treue. Stellt man sich vor, direkt die Treue leben zu wollen, dann fehlt noch irgendein Bezug, die Treue zu etwas bzw. die Ausdauer an etwas. Also muss noch etwas hinzukommen: Man benötigt eine Zielsetzung, einen Impuls, der eine neue Bewegungsrichtung einschlägt und damit einen Weg eröffnet. Um also ein konkretes Ziel zu haben, haben sich die Schüler im Yogakurs eine āsana (Yogaübung) ausgewählt, welche sie verbessern möchten. Wir haben zunächst 2 Fragen an den Anfang gestellt: Welche Übung möchte ich besser können? In welcher Zeit ist das realistisch? Was ist bis zum Sommer, was ist bis Ende des Jahres realistisch? Gerade der Zeitraum schien mir wichtig, um nicht den Leistungsaspekt, sondern vielmehr die Entwicklung in den Vordergrund zu stellen. Denn in dem Wort Ausdauer steckt die Dauer, die Langmut – das Gegenteil von Kurzlebigkeit und schnellem Erfolg. …

Gleichgewichtsstellung Zehenspitzenstand

Gleichgewicht

… wird zu Fortschritt. So lautet die Monatstugend im Mai. Man könnte auch sagen, das Üben des Gleichgewichts führt zur rhythmischen Harmonisierung, indem wir z.B. verschiedene Übungen abwechseln, aufeinander abstimmen und das Lernen damit in einen Aufbau führen. Rudolf Steiner, der das Gleichgewicht als Tugend mit dem Fortschritt in Verbindung gebracht hat, versteht unter Gleichgewicht aber nicht eine langweilige Mitte, sondern eine ausgewogene Vielfalt, eben das Gegenteil von Einseitigkeiten.

Ausgangsstellung zum Dreieck

Das Formerleben

Jede Übung beginnt mit einer Ausgangsposition, geht in eine Bewegung über, erzeugt eine bestimmte Form, die schließlich wieder aufgelöst und zurückgeführt wird. Es ist ganz hilfreich, vom Formgefühl aus in eine Yogastellung zu gehen. Eigentlich lässt sich in jeder āsana eine geometrische Form erkennen, aber bei manchen ist sie auch unmittelbar der Name: Das Dreieck.