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Das Mitleid im Märchen

Im Leben kann man sich immer am besten üben. Es gibt verschiedene Situationen, in denen man aus der Notwendigkeit heraus reagiert und tut, was eben zu tun ist. Das sind meist alltägliche Pflichten. Man bemerkt z.B. dass der Abfluss verstopft ist und reinigt ihn, auch wenn es keine angenehme Arbeit ist. Man tut es aber dennoch aus dem Wahrnehmen der Außenwelt. Es gibt aber auch Situationen mit Menschen, wo man durch sein zutun etwas bewirken kann.

Anschaulich wird es in dem Märchen „Frau Holle“:
„… [Das Mädchen] kam zu einem Backofen, der war voller Brot; das Brot aber rief: „Ach, zieh mich raus, zieh mich raus, sonst verbrenn ich: ich bin schon längst ausgebacken.“ Da trat es herzu und holte mit dem Brotschieber alles nacheinander heraus. Danach ging es weiter und kam zu einem Baum, der hing voll Äpfel, und rief ihm zu: „Ach, schüttel mich, schüttel mich, wir Äpfel sind alle miteinander reif.“ Da schüttelte es den Baum, daß die Äpfel fielen, als regneten sie, und schüttelte, bis keiner mehr oben war; und als es alle in einen Haufen zusammengelegt hatte, ging es wieder weiter. Endlich kam es zu einem kleinen Haus, daraus guckte eine alte Frau, weil sie aber so große Zähne hatte, ward ihm Angst, und es wollte fortlaufen. Die alte Frau aber rief ihm nach: „Was fürchtest du dich, liebes Kind? Bleib bei mir, wenn du alle Arbeit im Hause ordentlich tun willst, so soll dir’s gut gehn. Du mußt nur achtgeben, daß du mein Bett gut machst und es fleißig aufschüttelst, daß die Federn fliegen, dann schneit es in der Welt; ich bin die Frau Holle. …“

Dem Ausschnitt geht voran, dass das Mädchen zuvor in einen Brunnen gefallen ist und in einer anderen Welt aufwacht, in die es später wieder zurückkehrt. Es begegnet in dieser anderen Welt dem Backofen mit den Broten, die zu ihm sprechen, und erkennt die Not der Brote, die zu verbrennen drohen. Ebenso folgt es dem Bedürfnis des Apfelbaums, dessen Äpfel reif zur Ernte sind, der sich aber selbst nicht ernten kann, der auf den Menschen angewiesen ist. Und als besondere Begegnung trifft sie auf Frau Holle, vor der sie erschrickt und am liebsten weglaufen möchte. Aber auch hier hört sie zu, sieht die Aufgabe und fasst Vertrauen. Das Wahrnehmen und Erleben im Außen oder eines anderen, im Märchen ist es ja die Frau Holle, leitet das Tun. Nicht die Gefühle um sich selbst leiten das Mädchen. Die Brote und der Apfelbaum werden zu lebendigen Wesen in dieser anderen Welt, sie sprechen wie wirkliche Wesen zu dem Mädchen. Und das Mädchen reagiert auf etwas Lebendiges, es erfüllt nicht nur seine Pflicht, ohne in Verbindung zu treten, dadurch fließt etwas Seelisches in die Handlung hinein. Ganz anders ist das Geschehen, als die Stiefschwester im Fortgang des Märchens den selben Weg geht. An sie kommt die lebendige Botschaft der Brote und des Apfelbaumes nicht heran, sie sieht nur den materiellen Aspekt, von dem sie eben keinen Nutzen hat – im Gegenteil, sie könnte sich verbrennen und sich schmutzig machen oder es könnte ihr womöglich ein Apfel auf den Kopf fallen, auch die Arbeit bei Frau Holle tut sie nur sehr halbherzig und widerwillig. Sie tritt nicht wirklich in eine seelische Anteilnahme und Verbindung, ist sich zu schade, scheut die Berührung mit der Außenwelt.

Auf das Üben bezogen, bedeutet dies, sich in der Haltung zu üben, stärker im Außen wahrzunehmen und im sehen zu erkennen, daran mitzuerleben und zu handeln. Oft ist es aber so, dass man erst im Nachhinein erkennt, was eigentlich in einer bestimmten Situation los war und würde im Nachhinein anders handeln. Man kann sich aber auch darin schulen. Eine Übung dafür ist Die „Rückschau des Tages“:
Man betrachtet rückwärts die verschiedenen Ereignisse Begegnungen, auch sich selbst und bleibt bewusst betrachtend. Die rückwärtige Reihenfolge erklärt Rudolf Steiner damit, dass man sich dadurch losreißt von den gewohnten Denkabläufen, die durch die Sinneseindrücke des Tages gelenkt werden. Gerade durch die Bemühung des ungewohnten rückwärtigen Betrachten, führt man die Aufmerksamkeit bewusster, man wird nicht fortgerissen von den Emotionen, sondern ist zunächst damit beschäftigt, was eigentlich da war. Und das, was da war soll im einfachsten Sinne frei vom Interpretieren sein: welche Kleidung trug die anderen Person, welche Farbe hatte sie, was war im Umfeld? Meine Erfahrung mit dieser Übung ist, dass das erneute Aufbauen der Erinnerungsbilder in der Übung zunächst das aufzeigt, was man alles nicht wahrgenommen hat, so dass man im Alltag dann wie von selbst mehr auf die Erscheinung des Anderen und der Umgebung achtet, also für kurze Momente einmal mehr beim anderen Menschen als bei sich selbst ist.

Ich erinnere mich noch gut, wie einmal ein Professor an der Fachhochschule für Gestaltung sagte, dass es schon merkwürdig ist, dass sich junge Leute für einen Beruf der kreativen Gestaltung des Alltäglichen Lebens bewerben, die nichtmal sagen können, wie der Türgriff der FH aussah. Damit appelierte er ebenfalls an die Wahrnehmung im Alltäglichen, als die Bewerber nämlich das FH-Gebäude betraten. Wir müssen wohl davon ausgehen, dass wir immer weniger  innerlich in Berührung kommen mit den Dingen und Menschen um uns herum – auch bedingt durch die Technik, die ja vieles, was man vorher von Hand gemacht hat, übernimmt. Daher muss das meiner Meinung nach wieder aktiv getan werden, es geschieht nicht von selbst. Dafür aber auch etwas freier gewählt und nicht zwingend allein von der Notwendigkeit einer Pflicht abhängig.

In der Kunst, vor allem in den Anfängen, wo man wirklich das Beobachten lernen muss, z.B. indem ich etwas zeichne, bemerkt man gleichermaßen, wie man die Dinge auch besser versteht, was man plötzlich an einem Ding an Zusammenhängen entdecken kann. Dadurch macht man häufig die Erfahrung, dass eine Art Beziehung zu der Außenwelt entsteht, welche einen plötzlich wie ein reales Wesen „anblickt“. Vergleichbar wie die Brote im Märchen, die zu dem Mädchen sprechen. Damit ist aber einfach nur die seelische Realität gemeint und kein Sehen von Gespenstern oder andere Einbildungen.

Sonnengebet – Hund

Yoga Anfängerkurs

Der nächste Yoga-Anfängerkurs

beginnt am Montag, 16. September 2019, jeweils 20-21:30 Uhr!

– Ein Kurs zum Kennenlernen der Yoga-Übungsreihe oder zum Wiedereinstieg, 6 Mal 90 min, in einer geschlossenen Gruppe unter neuen Teilnehmern! Weiterlesen

gomukhasana, yogaübung

Von der Diskretion zur Großmut

Die Diskretion schafft eine gewisse Voraussetzung für die großmütige Tat. Denn durch die Diskretion lernt man sich und die Situationen im Leben erst richtig einzuschätzen, bevor zu hastig gehandelt oder gesprochen wird. Das schafft eine neue Übersicht im Leben. Man könnte auch sagen, der Kopf wird freier durch die zurückhaltende Diskretion. Diese neu entstandene Übersicht in Gedanken macht den Menschen freier und ermöglicht die großmütige Tat, die über das allzu schnell verletzte kleine Ego hinausblicken kann.

Das „freie Haupt“ ist aber nicht zu verwechseln mit Überheblichkeit und Arroganz, die über allem steht und nichts an sich heranlässt. Man kann es sich vielmehr vorstellen als das Haupt, das trotz Spannungen im Leben noch einen Gedanken fassen kann und in der Lage ist, bei den Aversion gegen einen Menschen oder eine Sache auch das Gute und Förderliche zu sehen. Und dies wiederum ist die Fähigkeit, das Richtige zu tun. Großmut ist keine Überschwenglichkeit, um zu zeigen, wie großzügig man doch ist. Großmut sieht den anderen und die Situation und handelt nicht aus dem Affekt, Vergeltungs- oder auch Geltungsdrang. Großmut macht in diesem Sinne freier von Sympathie oder Antipathie. Dadurch wird Großmut zu Liebe, wie es Rudolf Steiner formuliert.

Im Yoga haben wir die Haltung „Gomukhāsana“, was direkt übersetzt „Kuhgesicht“ heißt, sinngemäß aber das sanftmütige Gesicht gemeint ist. Weil man hinter dem Rücken mit den Händen ineinander greifen muss, lädt die Übung dazu ein, „auf Biegen und Brechen“ die Hände zu greifen. Gerade dabei geht aber die Übersicht verloren. An dieser Stelle übt man sich zunächst in Zurückhaltung, was der inneren Haltung der Diskretion entspricht, und bewahrt das aufrechte Haupt und entspannte Gesicht. In dieser Gelassenheit nähert man sich evtl. nur mit den Fingerspitzen hinter dem Rücken an, oder greift nur ins T-Shirt. Der Ausdruck der Sanftmut im Gesicht wird unmittelbar spürbar und kann seelisch als sehr „heilsam“ erlebt werden, denn man bleibt freier vom schnellen und einseitigen Erreichen-Wollen.

Sanftmut in dieser Weise ist der erste Schritt zur großmütigen Tat. Wenn man in der Lage ist, die eigenen Spannungen zu ertragen, so kann man auch leichter die Spannungen im Sozialen ertragen und das sehen und tun, was in der Situation weiter führt – oder umgekehrt. Die großmütige Tat ist gewissermaßen frei von Eitelkeiten oder anders gesagt, frei von sich selbst. Dies wiederum entwickelt die Liebe für andere oder für Entwicklung und Leben.

Zehenspitzenstand Punkt und Umkreis

Die Diskretion – einen Raum wahren

So wie das Kind geschützt im Mutterleib eine bestimmte Zeit der Entwicklung benötigt, bis die Geburt herannaht, oder wie ein Same Ruhephasen benötigt und nur unter bestimmten Bedingungen keimen kann, so benötigt auch die Seele eine Art behütete Geschlossenheit oder es benötigen Gedanken, Empfindungen und neue Impulse ihre eigenen Rhythmen zur Entwicklung und Reifung, bevor sie nach außen getragen werden. Die Tugend der Diskretion schafft und wahrt diesen geschlossenen Raum der Entwicklung. Weiterlesen

Die Yogaübung "Bogen"

Kontrolle der Gedanken

Im älteren Yoga ist die Kontrolle des Atems, das so genannte Pranayama, Teil des Übens. Die Führung des Atemstroms in einem bestimmten Rhythmus kann die Konzentration fördern und wird oftmals zur Energetisierung benutzt, um besser in eine Yogaposition zu kommen. Allerdings findet diese Wirkung der Atemführung auf körperlicher Ebene statt, sie bezieht nicht das Bewusstsein ein, außer vielleicht als Methode zur Disziplinierung des Willens. Achten wir hingegen auf unsere Gedanken, so sind wir im Bewusstsein aktiv und der Wille wird vornehmlich auf innere Weise geschult.

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Basis für die Yogaübung Tauben

Geduld wird zu Einsicht

„Steter Tropfen höhlt den Stein.“ sagte schon der Grieche Choirilos von Samos im 5. Jhdt. vor Christus. In diesem Bild des sachten Tropfens, der über lange Zeit hinweg den harten Stein aushöhlt, drückt sich aus, was im einzelnen Augenblick nicht zu sehen ist aber eben unsichtbar dennoch stattfindet. Meist glaubt man nur, was man sieht und würde das Aushöhlen damit erklären, dass mikroskopisch ja doch eine Veränderung bei jedem Aufprall des Tropfens zu sehen sei. Aber zur Zeit Choirilos‘ gab es keine Mikroskope und es ist anzunehmen, dass er auf den inneren Zusammenhang hindeuten wollte: auf den ProzessWeiterlesen

Yogaübung Kobra

Zufriedenheit wird zu Gelassenheit

Eine Yogaübung besteht nicht nur aus Können und Leistungssteigerung – dann wäre Yoga nur etwas für Sportler und Akrobaten – viel entscheidender ist der Sinn für eine Übung, für die seelische Gestik darin, welche den künstlerischen Ausdruck bestimmt. Das macht das Üben unabhängiger von Können und Nichtkönnen und ob jemand jung und beweglich oder schon älter und unbeweglicher ist. Als Bewusstseinsinhalt stand im Oktober die Frage im Mittelpunkt, wie sich Zufriedenheit auf die Seele auswirkt, wie Ruhe und Gelassenheit entsteht und warum diese wichtig für die nächste Tugend der Geduld sein wird. Weiterlesen

Vorwärtsbeuge mit Öffnung

Höflichkeit – Geste der Sensibilität

Im September beschäftigten wir uns in den Kursen mit der Höflichkeit als Haltung. Dabei haben wir unterschieden zwischen Höflichkeitsformen, die man zunächst lernt, und Höflichkeit als innerer Sinn, als Sensibilität, Wahrnehmung und Aufmerksamkeit für andere Menschen. Bei der höflichen Verhaltensweise sprechen wir von einer äußeren Form, so wie man z.B. „guten Tag“ sagt. Man empfindet das Verletzen solch einer Form als unhöflich. Aber auch, wenn eine Form ohne wirkliche Aufmerksamkeit für den anderen angewendet wird, kann das unhöflich sein. Hat jemand einen Schicksalsschlag oder schmerzliche Veränderungen im Leben erfahren, wird man das in der Begegnung berücksichtigen, sensibel sein und keine überschwänglichen Fragen stellen, auf die derjenige vielleicht gar nicht antworten möchte. Daran lässt sich erahnen, dass Höflichkeit nicht allein Form, sondern auch Sensibilität, Aufmerksamkeit und Empathie sein kann, bei der die Person des anderen berücksichtigt wird und Vorrang gegenüber den eigenen Interessen hat. Weiterlesen

Yogaübung Kamel, Armbewegung

Mitleid wird zu Freiheit

Eine innere Haltung bringt oft mehr zum Ausdruck, als eine äußere. Oder die gleiche äußere Haltung wird bei verschiedenen Menschen einen anderen Ausdruck haben. Beispielsweise wirkt eine Yogaübung, wenn es nur um die Perfektion geht, immer etwas technisch. Wenn aber nur das Wohlgefühl gesucht wird, scheint sie sich beinahe aufzulösen. Die Übung beginnt also viel mehr bei der inneren Haltung und ist weniger von der Stellung selbst abhängig. Weiterlesen

Vorbereitung und Vertiefung

Ausdauer

– wird zu Treue. So lautet die Tugend im Monat Juni. Sie schließt sich dem Gleichgewicht des vorigen Monats an und leitet zur Selbstlosigkeit des nächsten Monats hinüber.

Das Üben der Ausdauer entwickelt sich zur seelischen Kraft der Treue. Stellt man sich vor, direkt die Treue leben zu wollen, dann fehlt noch irgendein Bezug, die Treue zu etwas bzw. die Ausdauer an etwas. Also muss noch etwas hinzukommen: Man benötigt eine Zielsetzung, einen Impuls, der eine neue Bewegungsrichtung einschlägt und damit einen Weg eröffnet. Weiterlesen

Gleichgewichtsstellung Zehenspitzenstand

Gleichgewicht

… wird zu Fortschritt. So lautet die Monatstugend im Mai. Man könnte auch sagen, das Üben des Gleichgewichts führt zur rhythmischen Harmonisierung, indem wir z.B. verschiedene Übungen abwechseln, aufeinander abstimmen und das Lernen damit in einen Aufbau führen. Rudolf Steiner, der das Gleichgewicht als Tugend mit dem Fortschritt in Verbindung gebracht hat, versteht unter Gleichgewicht aber nicht eine langweilige Mitte, sondern eine ausgewogene Vielfalt, eben das Gegenteil von Einseitigkeiten. Weiterlesen

Yogaübung Kamel, Ruhephase

Devotion – eine Tugend …

… die hier als Ehrerbietung, Verehrung oder Ehrfurcht zu verstehen ist. Auf die Großmut im Sinne der Weisheit und Übersicht, die im März als Übung mit wachem Haupt gegeben war, folgte nun im April eine Geste der Verneigung. Denn die Devotion wird auch mit Hingabe und Demut umschrieben. In ihr liegt aber weitaus mehr, als nur das Haupt zu senken. Wie sie zu verstehen ist, soll in diesem Artikel beschrieben werden.

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Yoga – Drehsitz

Großmut – die Tugend im März

Im Yoga gibt es verschiedene Ebenen des Übens. Man kann die Muskulatur aufbauen, die Dehnfähigkeit erweitern und allgemein den Körper beleben.  Über die Wahrnehmung und Erweiterung des Erlebens kommt die seelische Ebene zur Geltung. Geistig sind wir beteiligt, indem Beobachtung entwickelt und schlichtweg über die Übung nachgedacht wird, z.B. darüber, was die innere Haltung in einer Körperübung ist – die innere Haltung einer Tugend.

Die vorige Tugend, die innere Haltung der Diskretion, vermittelt Eigenschaften wie Ruhe, Sorgfalt und Sensibilität in der Wahrnehmung. Diese kamen in der Körperübung vor allem in den verschiedenen Phasen der Übung zum Ausdruck: innehalten, ruhig werden, beobachten und das Zuviel an Spannung herausnehmen und dann erst in die nächste Bewegung gehen.

Welche Fähigkeiten oder Eigenschaften weckt nun die Großmut?

Die Worte mit der Endung „…mut“ bezeichnen den Ausdruck einer inneren Seelenverfassung: Anmut, Hochmut, Frohmut, Unmut, Sanftmut, Starkmut, Kleinmut, Großmut, Langmut, Freimut, Gleichmut, Edelmut, Demut, usw. oder auch jemandem etwas zumuten.

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Yogaübung Halbmond Vorbereitung

Die Diskretion – Februarübung

Das Üben der Monats-Tugenden nach Rudolf Steiner.

„Diskretion wird zu Meditationskraft“ …

… so wird ein Aspekt der seelisch-geistigen Entwicklung angedeutet. Die Yoga-Übung selbst kann diese Entwicklung nicht bieten, denn sie ist eine äußere Körperhaltung, die Tugend ist eine innere Seelenhaltung. Die Yogaübung könnte aber ein künstlerischer Ausdruck der Seele werden, wenn ein Sinn für die Seelenhaltung entsteht. Vielleicht mag man denken, ein Mensch hat diese oder jene Tugend ein anderer nicht, als sei der Mensch von der Natur determiniert und könne nichts hinzu entwickeln. Rudolf Steiner empfahl hingegen, Tugenden konkret zu üben. Er nannte zu jeder Tugend eine bestimmte seelische Kraft, die sich aus dem individuellen Üben entwickeln kann. So wie sich bei der Tugend des Mutes „Erlöserkraft“ entwickeln kann, so sieht er als Ergebnis des Übens der Diskretion die „Meditationskraft“. Weiterlesen

Sonnengebet – Hund

Das Sonnengebet

Das Sonnengebet oder der Sonnengruß – in Sanskrit sūrya namaskāra – ist ein Zyklus von sich öffnenden und schließenden Bewegungen, die fließend ineinander übergehen. sūrya heißt Sonne und namaskār „ich grüße“. Es wurde ursprünglich in Indien Richtung Osten, zur aufgehenden Sonne hin ausgeführt, was aber für uns nicht wesentlich ist. Die westliche Bezeichnung Sonnengebet ist deshalb vom Sinn her sehr passend, weil die Übung mehr als nur ein Körpertraining ist. In ihr spiegeln sich die Rhythmen des Lebens zwischen den Polaritäten wieder: Tag und Nacht, Sommer und Winter, Sprießen und Welken … Einatmen und Ausatmen, Öffnen und Schließen, Anspannen und Entspannen usw. Weiterlesen

Yogaübung Halbmond

Fortlaufendes Yoga-Programm

Im adhikāra Yoga-Studio haben wir seit bald 14 Jahren ein flexibles Kursprogramm mit dem beliebten Monatsbeitrag.

Das „fortlaufende Programm“ bezeichnet die Yoga-Kurse, die dauerhaft fortlaufend (außer in den Ferienzeiten) stattfinden.  Sie können sich Ihre Kurszeiten wöchentlich auswählen und dürfen 2 Mal in der Woche teilnehmen. Dies ist besonders für Teilnehmer geeignet, die flexibel sein müssen. (Schichtdienst, Prüfungsphasen bei Studenten, Elternabende usw.) Weiterlesen

Ausgangsstellung zum Dreieck

Das Formerleben

Jede Übung beginnt mit einer Ausgangsposition, geht in eine Bewegung über, erzeugt eine bestimmte Form, die schließlich wieder aufgelöst und zurückgeführt wird. Es ist ganz hilfreich, vom Formgefühl aus in eine Yogastellung zu gehen. Eigentlich lässt sich in jeder āsana eine geometrische Form erkennen, aber bei manchen ist sie auch unmittelbar der Name: Das DreieckWeiterlesen

Kopfstand Vorbereitung

Der Mut – eine Januarübung

Gibt es eine Übereinstimmung zwischen äußerer und innerer Haltung? Zwischen der Haltung, die ich mit dem Körper einnehme und der Haltung, die ich innerlich z.B. zu anderen Menschen oder zu einem Sachverhalt einnehme? Im Volksmund gibt es Ausdrücke wie „Rückgrat haben“ oder „Haltung bewahren“ und man meint genau genommen nicht die angestrengt aufgerichtete Wirbelsäule, als vielmehr die innere seelische Haltung, sich nicht den manchmal schwierigen Verhältnissen zu ergeben, die in bestimmten Lebensphasen an einen herantreten. Weiterlesen